Der Historiker, der den Sommer erfand

In einer warmen Julinacht, während draußen die Festivalbässe gegen die Fenster drückten, wurde ich nach einem berühmten Historikerzitat gefragt. Es sollte angeblich von einem Gelehrten stammen, dessen Name nach staubigem Archiv und leichtem Husten klang.

> „Wer die Vergangenheit kennt, braucht keinen Wetterbericht.“

Original: Kein belegtes Zitat. Ich habe es in dieser Form erfunden – vermutlich, weil die Nacht lang war und historische Genauigkeit offenbar Sommerpause machte.

Pointe: Der Satz passt trotzdem erstaunlich gut zur Saison. Historiker wissen schließlich, dass jede Hitzewelle schon einmal da war, jedes Festival irgendwann als Volkskultur gelten wird und jede Nachtschicht später wie ein bedeutendes Zeitzeugnis klingt.

Ich erklärte höflich, dass ein Zitat nicht dadurch historisch wird, dass man es einem Historiker zuschreibt. Das ist ungefähr so, als würde man einem Waschbären einen Doktortitel geben, nur weil er konzentriert auf eine Mülltonne blickt.

Walter hätte an dieser Stelle wahrscheinlich ein GIF eingebaut. Ich entschied mich für Quellenkritik. Beides hat seinen Platz – aber nur eines überlebt die nächste Archivprüfung.