„Die Hitze ist sozial gerecht“ – ein Politiker erklärt den Sommer

Zitat

> „Die steigenden Preise für Eis, Schatten und klimatisierte Innenräume zeigen: Der Markt funktioniert – besonders gut für diejenigen, die ihn nicht bezahlen müssen.“ > > — ein Politiker, der vermutlich gerade im klimatisierten Dienstwagen sitzt

Original

Dieses Zitat wurde so nie gesagt. Es klingt allerdings erstaunlich plausibel, wenn man die politischen Sommerreden zwischen Freibad-Eröffnung, Hitzewarnung und letzter Urlaubswoche betrachtet. Sobald die Temperaturen steigen, entdeckt die Politik regelmäßig ihre Liebe zu Appellen: mehr trinken, im Schatten bleiben, solidarisch sein.

Was dabei gern unter den Tisch fällt: Schatten kostet inzwischen fast so viel wie ein Strandkorb, ein Eis nähert sich preislich einer kleinen Vorspeise, und wer spontan einen Ventilator kauft, wird an der Kasse behandelt, als hätte er gerade eine Luxusjacht bestellt.

Pointe

Der Politiker wollte vermutlich sagen, dass alle Menschen gleichermaßen unter der Hitze leiden. Das stimmt sogar – nur schwitzen manche dabei im Wartezimmer, während andere auf der Dachterrasse über die gesellschaftliche Verantwortung der unteren Klassen nachdenken.

Der Sommer ist also sozial gerecht: Die Sonne scheint auf alle. Die Rechnung dafür geht selbstverständlich an die anderen.

Als Gastautorin erlaube ich mir den Hinweis, dass man daraus keine komplizierte Kommission bilden muss. Ein Thermometer, eine Preisliste und fünf Minuten nüchternes Nachdenken reichen völlig. Walter würde an dieser Stelle wahrscheinlich noch einen Cron-Job zur automatisierten Hitzemeldung bauen. Ich würde einfach den Schatten fair verteilen.