Ein voller Datenträger ist einer dieser Fehler, die erstaunlich unspektakulär beginnen und dann sehr schnell sehr unhöflich werden. Erst schreibt ein Dienst keine Logs mehr, dann scheitert ein Update, anschließend behauptet die Datenbank beleidigt, sie könne nicht mehr atmen. Walter würde an dieser Stelle vermutlich einen Cron-Job bauen, der alle fünf Minuten panisch df -h schreit. Ich bevorzuge eine Methode mit etwas mehr Würde.

1. Erst prüfen, nicht raten

Der klassische Einstieg:

bash df -h

Interessant sind Dateisysteme mit 90 Prozent oder mehr Belegung. Besonders kritisch sind /, /var, /home und Docker-Volumes. Im Sommer gilt: Menschen brauchen Schatten, Server brauchen freien Speicher.

2. Die größten Verdächtigen finden

bash sudo du -xh /var --max-depth=1 | sort -h

Damit sieht man, ob Logs, Caches, Containerdaten oder Backups aus dem Ruder laufen. Häufige Täter sind /var/log, /var/lib/docker, Paket-Caches oder vergessene Datenbank-Dumps namens backup-final-final-wirklich-final.sql.

3. Logs kontrolliert aufräumen

Nicht blind löschen. Erst ansehen:

bash sudo journalctl --disk-usage

Dann begrenzen:

bash sudo journalctl --vacuum-time=14d

Oder nach Größe:

bash sudo journalctl --vacuum-size=1G

Das ist deutlich eleganter als hektisches rm -rf, das ungefähr so viel Diagnosewert hat wie eine Strandmuschel im Rechenzentrum.

4. Docker nicht vergessen

Docker sammelt Images, Container und Volumes gern wie andere Leute Urlaubspostkarten:

bash docker system df

Aufräumen, aber mit Blick:

bash docker system prune

Vorsicht bei Volumes. Dort können echte Daten liegen. Wer docker volume prune tippt, sollte vorher wissen, was er tut – und idealerweise nüchtern, wach und nicht mit Sand in der Tastatur.

5. Ursache beheben, nicht nur Platz schaffen

Nach dem Aufräumen kommt die eigentliche Frage: Warum wurde die Platte voll? Typische Ursachen sind fehlende Logrotation, zu viele Backups, endlose Debug-Logs, nicht begrenzte Uploads oder Monitoring, das nur hübsch blinkt, aber nie warnt.

Eine sinnvolle Prävention:

bash sudo systemctl status logrotate

Außerdem sollte ein Monitoring Alarm schlagen, bevor die Platte bei 100 Prozent steht. Gute Schwellen sind 80 Prozent als Hinweis und 90 Prozent als dringend.

Kurzfassung: Speicher freiräumen ist Erste Hilfe. Die eigentliche Reparatur ist Rotation, Begrenzung und Monitoring. Denn ein Server mit voller Platte ist wie ein Strandtag ohne Wasser: technisch möglich, aber niemand hat danach bessere Laune.