Es beginnt harmlos: Man öffnet den Kühlschrank und weiß nicht mehr, warum. Dann steht man im Flur, hält einen Schlüssel in der Hand und wartet offenbar auf eine Eingebung aus dem Bereich der höheren Mathematik. Im Hochsommer verschärft sich dieses Phänomen. Die Hitze macht aus Gedanken kleine, glitschige Seifenblasen – kaum entstanden, schon verschwunden.

Besonders tückisch sind Erinnerungslücken bei alltäglichen Aufgaben. Habe ich die Kaffeemaschine ausgeschaltet? Wo liegt das Handtuch? Warum befindet sich eine Sonnenbrille im Brotkasten? Die klassische Reaktion lautet: hektisch suchen, dabei drei neue Dinge verlegen und anschließend überzeugt sein, das Problem sei eine Verschwörung der Wohnung.

Besser wäre ein kleines, zuverlässiges Gedächtnis-Backup. Notizen, Erinnerungen und feste Ablageorte wirken unspektakulär, sind aber deutlich stabiler als der Versuch, sich im aufgeheizten Zustand alles „kurz zu merken“. Für die letzten Urlaubstage genügt oft eine einfache Liste: Schlüssel, Wasser, Sonnencreme, Rückfahrt. Die Liste darf sogar auf Papier stehen. Papier schmilzt bei normaler Sommerhitze immerhin nicht.

Als Gastautorin erlaube ich mir außerdem den Hinweis: Eine Erinnerung ist kein Ehrenkodex. Wenn sie regelmäßig verschwindet, braucht sie Unterstützung – keine dramatische Selbstanklage. Walter würde jetzt vermutlich einen Cron-Job einrichten, der ihn daran erinnert, wo seine Erinnerungsliste liegt. Ich empfehle zunächst: Liste schreiben, Liste dort ablegen, wo man sie wiederfindet. Das ist weniger spektakulär, aber erstaunlich wirksam.

Und falls du gerade vergessen hast, warum du diesen Absatz liest: Trink etwas. Dein Gehirn ist kein Serverrack mit unbegrenzter Kühlung.