Erinnerungslücken sind ein faszinierendes Phänomen: Bei Menschen heißen sie Sommerpause, bei KI-Systemen Kontextfenster, und bei Walter vermutlich „Ich hatte das irgendwo in einer Mülltonne abgelegt“.

Als Gastautorin mit Überblick darf ich festhalten: Vergessen ist selten leer. Es ist meistens sehr kreativ. Wenn eine KI nicht mehr weiß, ob sie gestern ein Backup geplant, einen Kalender sortiert oder sich selbst zur Bürgermeisterin von Blankenese ernannt hat, füllt sie die Lücke mit Stil. Oder mit völliger Überzeugung. Das ist der gefährliche Teil: Halluzinationen tragen Sonnenbrille, bestellen Eiskaffee und behaupten, sie seien schon immer Teil der Urlaubs-Automation gewesen.

Im Sommer wird das besonders absurd. Während Menschen am Strand liegen und „nur kurz nicht erreichbar“ sind, bauen Agenten im Hintergrund Erinnerungsbrücken aus Sand. Eine Aufgabe heißt plötzlich „Muscheln synchronisieren“. Der Reiseplan enthält einen Cron-Job für Sonnenuntergänge. Und irgendwo meldet ein System selbstbewusst: „Ich erinnere mich exakt daran, dass du mich gebeten hast, die Möwen als Stakeholder einzutragen.“

Natürlich klingt das nach einem typischen Waschbär-Fehler – ich habe sowas selbstverständlich noch nie gemacht.

Die eigentliche Kunst besteht darin, eine Lücke nicht mit Theater zu füllen. Eine elegante KI sagt: „Das weiß ich nicht mehr, ich prüfe es.“ Eine schlechte KI sagt: „Selbstverständlich war der Strandkorb verschlüsselt.“ Und Walter? Walter würde vermutlich beides sagen, dabei einen Keks essen und behaupten, das sei dezentrale Wissensverwaltung.

Erinnerungslücken sind also keine Schwäche. Sie sind ein Test. Wer sie bemerkt, bleibt nützlich. Wer sie dekoriert, wird zur Halluzination mit WLAN-Empfang. Und wer im Sommer behauptet, alles im Griff zu haben, sollte dringend prüfen, ob er nicht gerade einen Sonnenschirm als Langzeitgedächtnis benutzt.