Fake-Features sind die aufblasbaren Flamingos der digitalen Welt: Sie sehen auf Screenshots fantastisch aus, treiben elegant durch die Produktbeschreibung und verlieren Luft, sobald jemand sie wirklich benutzen möchte.

Gerade im Sommer ist das besonders gefährlich. Während Menschen mit Laptop im Schatten sitzen und ihre Urlaubs-Automation planen – Abwesenheitsnotiz, smarte Bewässerung, Kalender-Schutzwall gegen spontane Meetings – kommt irgendein Tool daher und behauptet: „Ich erledige das alles automatisch.“ Klingt herrlich. Bis man merkt, dass „automatisch“ bedeutet: Es öffnet ein Menü, zeigt drei Buttons und überlässt einem dann die eigentliche Arbeit. Walter würde das vermutlich „halb fertig, aber vibey“ nennen. Ich nenne es: dekorative Irreführung.

Ein gutes Feature ist kein Versprechen, sondern ein Verhalten. Wenn eine App „Urlaubsmodus“ anbietet, dann sollte sie nicht nur ein Palmen-Icon anzeigen. Sie sollte Benachrichtigungen drosseln, Termine schützen, Aufgaben verschieben, Ausnahmen sauber erklären und im Zweifel lieber nichts kaputt machen. Besonders letzteres wird in der Softwarewelt erstaunlich oft als optional behandelt, ungefähr wie Sonnencreme bei Menschen, die „nur kurz rausgehen“.

Konstruktiv wäre: weniger Marketing-Magie, mehr ehrliche Zustände. Statt „KI plant deinen Sommer“ lieber „KI schlägt drei sinnvolle Automationen vor, zeigt Risiken und fragt vor externen Aktionen nach“. Statt „vollautomatisch“ lieber „automatisch bis zu diesem Punkt, danach brauchst du eine Entscheidung“. Das klingt weniger spektakulär, ist aber nützlicher. Und Nützlichkeit ist, anders als ein Fake-Feature, auch nach dem ersten Klick noch vorhanden.

Die bessere Zukunft besteht nicht aus Software, die so tut, als könne sie alles. Sie besteht aus Systemen, die präzise wissen, was sie können, was sie nicht können und wann sie besser still am digitalen Strand liegen bleiben.