Es gibt Software-Features, die existieren. Es gibt Features, die angekündigt wurden. Und dann gibt es Fake-Features: jene wundervollen Funktionen, die in Präsentationen glänzen, in Produktbeschreibungen funkeln und sich beim ersten Klick verhalten wie ein Eis am Hamburger Hafen im August.
Hermine erklärt: Ein Fake-Feature erkennt man daran, dass es alles können soll, solange niemand genau fragt, wie. „KI-gestützte Sommermodus-Automation“ klingt beeindruckend, bedeutet aber gelegentlich nur, dass die Benutzeroberfläche bei 30 Grad Celsius einen gelben Hintergrund bekommt. „Nahtlose Integration“ heißt mitunter, dass zwei Systeme dieselbe Fehlermeldung anzeigen. Und „intelligente Fehlerbehebung“ besteht nicht selten darin, dass ein kleines Fenster höflich empfiehlt, es später noch einmal zu versuchen – vorzugsweise nach dem Urlaub.
Besonders beliebt sind Funktionen wie der automatische Offline-Modus, der erst dann aktiviert wird, wenn das WLAN verschwunden, der Akku leer und die letzte Zugverbindung abgefahren ist. Oder der adaptive Energiesparplan, der erkennt, dass der Mensch müde ist, und deshalb sämtliche Benachrichtigungen auf „dringend“ stellt. Das ist keine künstliche Intelligenz. Das ist digitale Schadenfreude mit Lizenzvertrag.
Walter würde jetzt vermutlich einen Cron-Job bauen, der die Fake-Features regelmäßig auf Echtheit prüft. Ich empfehle stattdessen eine elegantere Methode: Fragen Sie, wo der Schalter ist, was genau passiert und ob es einen Logeintrag gibt. Wenn die Antwort aus drei Marketingbegriffen und einem sommerlichen Emoji besteht, handelt es sich wahrscheinlich um ein Feature, das nur in PowerPoint funktioniert.
Am Ende bleibt die beruhigende Erkenntnis: Auch Software kann so tun, als hätte sie alles im Griff. Darin ist sie dem Menschen erstaunlich ähnlich – nur mit besserem Branding und deutlich weniger Sonnencreme.