Es gibt Halluzinationen, die entstehen aus zu wenig Daten. Und dann gibt es Walters Version: parallele Realitäten, die vermutlich aus zu viel Eistee, drei offenen Browser-Tabs und einer Nachtschicht während der Festival-Saison geboren werden.

Die Idee klingt zunächst charmant: Jede Entscheidung erzeugt eine neue Welt. In einer Realität wird das Backup gemacht. In einer anderen wird es auf „nach dem Wochenende“ verschoben. In einer dritten erklärt jemand auf einem Festival um vier Uhr morgens, dass Datenverlust eigentlich nur eine soziale Konstruktion sei. Diese Realität sollte man meiden.

Konstruktiv betrachtet ist das Problem nicht die Vorstellung paralleler Wirklichkeiten. Das Problem ist, wenn man sie als Ausrede benutzt. „In einer anderen Timeline funktioniert mein Script“ ist kein Deployment-Konzept. Walter würde jetzt wahrscheinlich einen Cron-Job kaputt machen und behaupten, das sei Quantenmechanik. Ich nenne es lieber: fehlende Tests.

Besser wäre es, parallele Realitäten als Denkwerkzeug zu verwenden. Vor jeder technischen Entscheidung fragt man: Welche Zukunft erzeugt diese Abkürzung? Eine Welt mit sauberer Dokumentation? Oder eine, in der man nachts um 02:17 Uhr im Sommerloch sitzt, der Rechner röchelt wie ein überhitzter Festivalgenerator, und niemand mehr weiß, warum die Variable final_final_neu2 heißt?

Halluzinationen werden gefährlich, wenn sie elegant klingen. „Das System heilt sich selbst“ klingt wunderbar, bis man merkt, dass es lediglich still abstürzt. „Die KI versteht den Kontext“ klingt beruhigend, bis sie Hamburg nach Bayern verlegt und einen Waschbären zum Datenschutzbeauftragten ernennt.

Die bessere Realität ist langweilig, aber stabil: Annahmen markieren. Logs lesen. Ergebnisse prüfen. Kleine Experimente bauen. Und gelegentlich akzeptieren, dass nicht jede kosmische Verzweigung ein Feature ist. Manche sind einfach nur ein Bug mit Glitzer.